Vernetzen - Verbinden - Versorgen

Gegen den Ärzte*innenmangel: Traineeprogramm für zugewanderte Ärzt*Innen im ländlichen Raum

DAMIT DIE INTEGRATION VON ZUGEWANDERTEN ÄRZT*INNEN IM LÄNDLICHEN RAUM GELINGT…

führen die Pflegepioniere gemeinsam mit der KV Niedersachsen, der European Medical School und weiteren Kooperationspartnern seit dem 01.01.2020 für 33 Monate das ESF-geförderte Projekt BRIDGE durch, das zugewanderte Ärzt*innen im Rahmen eines Traineeprogramms bis zur Anerkennung begleitet und einen Verdienst ermöglicht.

Wir möchten gern eine Willkommensstruktur entwickeln, die die ansässigen Ärzt*innen unterstützt, zugewanderte Ärzt*innen bei sich aufzunehmen, anzulernen und für-, mit und bei sich arbeiten zu lassen.
Die zugewanderten Ärzt*innen unterstützen wir ganzheitlich bei dem gesamten Anerkennungsprozess, helfen im deutschen System Fuß zu fassen und wichtige Netzwerke aufzubauen und in der Zeit des Verfahrens Geld zu verdienen.

Im Ergebnis kann bei diesem Projekt von einem sogenannten Rundum-sorglos-Paket mit Willkommensstruktur für zugewanderte Ärzte*innen gesprochen werden.

Vernetzen
Alle relevanten Akteur*innen im Anerkennungsprozess werden bei BRIDGE vernetzt. Der Trainee kommt mit diesem Netzwerk in direkten Kontakt und profitiert von einer engen Begleitung im gesamten Prozess.
Verbinden
BRIDGE verbindet an Allgemeinmedizin interessierte zugewanderte Ärzt*innen und Hausarztpraxen im Norden. Durch das Traineejahr verbindet BRIDGE Praxiserfahrung, Vorbereitung, Integration und Begleitung.
Versorgen
Gemeinsam stellen Trainees, Hausarztpraxen, das Netzwerk und BRIDGE die Gesundheitsvorsorge, speziell im ländlichen Raum, sicher. Zeitgleich erweitert die interkulturelle Öffnung die Versorgungslandschaft vor Ort.

Neuigkeiten

Dass die Zahl der hierzulande tätigen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner stagniert, ist weitestgehend bekannt. Die Tatsache, dass die hausärztliche Versorgung auf dem Land darunter in Zukunft leiden wird, auch. BRIDGE steht daher nicht nur wörtlich, sondern auch tatsächlich für eine Brücke,… weiterlesen
Leider wird die medizinische Versorgung, vor allem auf dem Land, auf Grund des demographischen Wandels zu einem immer größeren Problem. Hausärzte:innen von „nebenan“, zu denen wir schon seit jeher gehen, verabschieden sich in den 2020er Jahren in den Ruhestand und… weiterlesen

Das Projekt im Überblick

Die hausärztliche Versorgung wird zunehmend eine zentrale Herausforderung insbesondere in den ländlichen Gebieten. Dabei lässt sich eine paradoxe Entwicklung erkennen: Aufgrund der demografischen Entwicklung wird es in Zukunft anteilig mehr ältere Menschen geben, so dass der Bedarf an hausärztlicher Versorgung steigen wird. Gleichzeitig zeichnet sich ein sinkender Grad der hausärztlichen Versorgung ab. Die Altersstruktur der Ärzte*innen zeigt, dass viele Praxen in den nächsten Jahren vor der Übergabe/Schließung stehen, so dass sich der Bedarf erhöhen wird. Parallel dazu zeigt die nachwachsende Ärztegeneration wenig Interesse, als Hausärztin bzw. Hausarzt im ländlichen Raum zu praktizieren.

Ein Lösungsansatz zur Kompensation des Ärztemangels im ländlichen Raum ist es, in Deutschland vorhandene Ressourcen ausländischer Ärzte*innen zu gewinnen. Allerdings ist das Verfahren zur zwingend notwendigen Anerkennung der Ausbildung inhaltlich und administrativ komplex und wirkt abschreckend. Durch die Entwicklung der Matching-Plattform „German Jobs“ konnten über den digitalen Weg in den letzten 1,5 Jahren bereits über 2.000 Ärzte*innen angesprochen werden. Einige haben bereits die Fachsprachprüfung bestanden oder stehen kurz vor der Approbation. Die letzten Schritte bis hin zur Kenntnisprüfung und Einstellung sind jedoch durch viele Unterbrechungen bis hin zu Abbrüchen geprägt, so dass das Potential, das theoretisch vorhanden wäre, nicht genutzt wird. Die Ärzte*innen dürfen sich erst nach Bestehen der Fachsprachprüfung bei der Kenntnisprüfung anmelden – diese ist dann aber oft erst bis zu sechs bis neun Monate später, so dass die Ärzte*innen die Zeit bis dahin selber finanzieren müssen oder aber die Arbeitgeberinnen bzw. Arbeitgeber sind bereit, sie als Hospitantinnen bzw. Hospitanten bezahlt aufzunehmen (was immer weniger Kliniken machen, weil sie tatsächlich nur über die Schulter schauen dürfen, aber ein echtes Gehalt bekommen müssen). Weitere Gründe, warum Ärzte*innen (insbesondere aus dem Ausland) sich nicht für den ländlichen Raum entscheiden, sind das fehlende Wissen über die medizinische Versorgungsstruktur in der Bundesrepublik Deutschland. Daher bedarf es neuer und innovativer Ansätze in der systemischen Integration zur Sicherstellung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen medizinischen Daseinsvorsorge, die mit dem Projekt „BRIDGE – Traineeprogramm für ausländische Ärzte*innen im ländlichen Raum“ erprobt werden sollen.

Das Programm des Projektes hat einen festen Ablauf und eine nachvollziehbare Struktur. Innovativ und abgrenzend zu anderen Angeboten in der Bundesrepublik Deutschland ist die Idee,

  • ein zusammenhängendes Programm zu schaffen, das auf die bevorstehenden Prüfungen vorbereitet, um große Abbruchquoten zu vermeiden,
  • alle Anmeldeprozesse zu übernehmen, um somit die Trainees und auch die Arbeitgeber*innen zu entlasten,
  • Wartezeiten durch berufspraktische Einsätze in den Praxen zu überbrücken,
  • die Ärzte*innen bereits während des Programms Geld verdienen zu lassen,
  • die Ärzte*innen parallel zu der Berufspraxis Weiterbildungsangebote anzubieten, die bereits auf den Beruf Allgemeinmedizin vorbereiten,
  • in eine regionale Fakultät für Medizin eingebunden zu werden und perspektivisch ein Teil davon zu werden,
  • die Arbeitgeber*innen zu entlasten, da andere Kostenträger die „Aufwandsentschädigung“ und die Mietkosten während des Programms zahlen,
  • eine ganzheitliche Willkommensstruktur zu schaffen, mit regional verankerten Ansprechpersonen und dem Anspruch, die Trainees so zu unterstützen, dass sie langfristig an die Region gebunden und über diesen Weg die Versorgung im ländlichen Raum ein Stück weiter sichergestellt werden kann.

Der Mehrwert für die Trainees besteht darin, dass

  • sie während des gesamten Anerkennungsprozesses eine Ansprechperson haben, die sie während und nach dem Programm regelmäßig konsultieren können (zum Beispiel bei Konflikten, Fragen, Herausforderungen),
  • das Programm für sie kostenfrei ist, wenn der Trainee sich entscheidet, eine Fachausbildung für Allgemeinmedizin anzuschließen,
  • sie mit einer Arbeitgeber*in bzw. einem Arbeitgeber gematcht werden und bereits im Vorfeld wissen, was sie erwartet,
  • sie Zugang zu einem funktionierenden Netzwerk erhalten, das sie fachlich wie auch beruflich und privat bindet und Mut macht, in Norddeutschland zu bleiben,
  • sie einen Status erhalten, den es bisher in der Bundesrepublik Deutschland nicht gab (Trainee in der Hausarztpraxis)

Der Mehrwert für Arbeitgeber*innen besteht darin, dass

  • sie eine Nachfolge oder auch eine Ergänzung für die Praxis zu finden,
  • sie komplette Unterstützung im Rahmen des Projektes bekommen und sich nicht um mühselige Behördengänge, Anmeldeprozedere und Anerkennungsprozesse kümmern müssen,
  • sie bezahlen mit der Bereitschaft, die zugewanderten Ärzte*innen auszubilden, anzuleiten und in ihrer Praxis arbeiten zu lassen,
  • sie die Trainees über einen langen Zeitraum kennenlernen und bewusst entscheiden können, ob sie geeignet sind, sich für Allgemeinmedizin ausbilden zu lassen und in der Praxis weiter tätig zu sein,
  • im Optimalfall sie ihren eigenen Nachwuchs ausbilden und über die ausländische Herkunft der Trainees eine kulturelle Öffnung erfahren können.

Der Mehrwert für die Region besteht darin, dass

  • die Region Ressourcen von Ärzte*innen integriert, somit die Versorgung im ländlichen Raum weiter sicherstellen und dem demografischen Faktor und dem Ärzte*innenmangel begegnen,
  • die Region eine Willkommensstruktur entwickelt, die auch nach dem Projekt weitergeführt werden soll und somit die Integration ausländischer Ärzte*innen in den Nordwesten unterstützen wird,
  • die Region aufgewertet wird durch eine vorbildliche Begleitung zugewanderter Ärzte*innen sowie später weiterer Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, die eine anziehende Wirkung entwickeln wird,
  • die einzelnen Instanzen, die für den Migrations- und Anerkennungsprozess relevant sind, können ihre eigenen Prozesse und Vorgänge hinterfragen, abstimmen, optimieren oder gar neu aufstellen.

Erstes Ziel ist es, eine ausgewählte Anzahl an zugewanderten Ärzt*innen, die sich bereits entschieden haben nach Deutschland zu kommen oder sich bereits in Deutschland aufhalten, bei dem Prozess der Anerkennung zu begleiten. Die ausgewählte Anzahl der Ärzt*innen werden in einem 12-wöchigen Kurs im Klassenverband (Aurich/Oldenburg) rechtzeitig für die Fachsprach- und die Anerkennungsprüfung vorbereitet. Die Sprachkenntnisse werden weiter in einer 6-monatigen Arbeitserprobung gefestigt und das Netzwerk in der Region gestärkt. Parallel auftretende Herausforderungen (mit Visa, Aufenthaltsgenehmigung, Wohnung etc.) werden durch das Projektteam behoben. Zusätzlich wird ein Weiterbildungsangebot seitens der EMS (KANN) für die Teilnehmer*innen geöffnet, um den Austausch und die Kontaktaufnahme mit Ärzt*innen, die sich bereits für die Fachrichtung Allgemeinmedizin entschieden haben, zu fördern. Im Anschluss an die Praxisphase folgt eine 3-monatige Vorbereitung auf die Approbation.

Zweites Ziel ist die Identifikation von bürokratischen Schwachstellen in diesem Prozess, so dass auch hier eine Verbesserung vorgenommen werden kann. Behördenmitarbeiter*innen würden über diesen Weg zukünftig Entlastung erfahren, indem vermeidbare Prozesse erkannt und optimiert werden.

Zusammenfassung:

Das 33- monatigen Projekt hat zum Ziel, die zugewanderten Ärzt*innen, die Interesse haben aus einem Drittland nach Deutschland zu kommen oder sich bereits in Deutschland aufhalten, erfolgreich in die ambulante Versorgung im ländlichen Raum zu integrieren. Über eine durchdachte und umfangreiche Betreuung und Begleitung aller Akteure werden voraussichtlich Rückkehr- und Abbruchquoten vermieden oder reduziert. Diese sind in vielen Fällen unnötig und verursachen überflüssige Bürokratie*. Hier möchten wir mit dem Projekt ansetzen und für eine erforderliche Willkommenskultur eine notwendige Willkommensstruktur entwickeln. Gemeinsam mit der norddeutschen Region, gemeinsam mit allen betroffenen Akteuren.

DER PROJEKTABLAUF

IHRE ANSPRECHPARTNER*INNEN
IM PROJEKT BRIDGE

Um ein Rundum-sorglos-Paket zu realisieren und ein erfolgreiches Projekt umsetzen zu können, müssen verschiedene Kompetenzen und Netzwerke zusammenkommen. Im Projekt Bridge sind dies unter anderem:

Melanie Philip
Pflegepioniere
Philipp Zell
Pflegepioniere
Sabine Kurpgoweit
European Medical School
Dieter Krott
KVN Aurich
Tim Quester
Alfa Personnel Care
Andrea Weihe
Regionalcoach KVN

Projektpartner